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Aphorismen von Rose von der Au

Drei Stufen zur Hölle

Er, der sich in sie verliebt hat und die Hölle kennt; sagt zu ihr, Ich zeige dir heute etwas wo ich schon einmal war und nie wieder sein will. Du bist die erste der ich das zeige und du sollst wissen was war.“

Eine Strasse, mitten im Hamburger Kiez, abseits der bekannten Meile. Kneipe neben Kneipe, eine finstere und schmutziger als die andere. Kneipen in die sich nur selten ein Tourist verirrt oder einer in einem Anzug, und wenn dann nur aus Sensationslust oder um Triebe zu befriedigen die er in seinem bürgerlichen Leben nie zugeben würde.

Eine Kneipe in der Frauen am Tresen sitzen und trinken, Männer sie anbaggern und die Frauen sich geschmeichelt fühlen….. eine Kneipe die die Vorhölle ist.

Sie bestellen jeder eine Cola und der erstaunte Wirt stellt die geöffneten Flaschen auf den Tisch.

Er erzählt ihr, dass der frühere Wirt die Frauen reihenweise nach oben abgeschleppt hat, Frauen die der Alkohol gekennzeichnet hat. Er berichtet ihr davon wie eines Tages die Decke der Kneipe nach unten brach und viele  menschliche Knochen preisgab. Er spricht vom Schlitzer vom Kiez, der nun in der Psychiatrie sitzt und Puppen für Kinder fertigt.

Sie sagt:“ Selbst in diesem Menschen, der so schreckliches getan hat; ist noch etwas was liebenswert ist, was nach Hilfe ruft, ist  noch etwas Menschliches vorhanden.“ Und er der soviel unmenschliches gesehen hat und in einigen Dingen hart geworden ist, sieht sie nur still und ruhig an. Er greift nach ihrer Hand und küsst sie in stiller Liebe, die keiner Worte bedarf.

 Er reicht ihr den Mantel und wortlos gehen sie hinaus ohne ausgetrunken zu haben. Schräg gegenüber….. eine andere Kneipe. Drei Stufen führen hinab, Stufen die noch nass sind vom Regen der vor kurzem noch herunter geprasselt ist und alles gesäubert hat.

Drei Stufen zur Hölle. Da sitzen sie …...total betrunken, vor sich hinstierend oder vor sich hinlallend... sie betrachten die beiden die sich da an diesen Ort verirrt haben, die zwei die so gar nicht dahin passen.

Wieder bestellen sie eine Cola, wieder ernten sie verwunderte Blicke. Der Wirt kommt und öffnet die Flaschen am Tisch, beginnt ein Gespräch, erzählt dass der Regen bis in seine Kneipe gelaufen ist, dass er diese fast abgesoffen ist. Es ist deutlich zu merken dass er sich über diese beiden, die da so unverhofft in seiner Kneipe gelandet sind: wundert, dass er aber auch froh ist einmal Menschen zu sehen die so anderes sind als sein üblichen Gäste.

Hinter der Theke ein alternder Mann im Muskelshirt, die Arme bepackt mit den Muskeln eines Bodybuilders. Er sieht aus wie aus einem Klischeefilm, ein Rauswerfer oder gar der Gehilfe eines Zuhälters, wer weiß vielleicht war er das auch einmal.

Er steht da und bedient die Gäste die da vor sich hinstieren oder lallend eine Flasche Bier oder ein Glas billigen Fusel nach dem anderen bestellen. Frauen stehen da an der Theke, alt und verbraucht vom Konsum des Alkohol, verbittert und enttäuscht von Leben.

Ein Mann und eine Frau, die wohl einmal sehr hübsch war und bessere Zeiten gesehen hat; setzen sich an den Nebentisch. Der Wirt bringt ihnen zwei Flaschen Bier. Romantische Musik erklingt und die Frau, die noch immer im Mantel ist, ein blauer Mantel der wie sie wohl besserer Zeiten gesehen hat; steht auf und beginnt selig lächelnd mit der Flasche in der Hand zu tanzen. Sie dreht und wiegt sich, die Flasche haltend wie ein Kind.

Die beiden, die so gar nicht in diese Kaschemme passen; sehen sich wortlos an …. man spürt sie haben den gleichen Gedanken… und er spricht ihn aus:“ Man könnte meinen sie würde mit einem Kind tanzen das sie sehr liebt“ und „ sie hat wohl besserer Zeiten gesehen“.

Sie nickt nur wortlos, immer noch diese Frau betrachtend, die wohl einmal sehr hübsch und gepflegt war, einmal bessere Zeiten gesehen hat… diese Frau die hinter der Maske des Alkohols immer noch hübsch ist, die immer noch einen Rest von Würde besitzt und einen Hauch von Seele … und sie fragt sich was diese Frau wohl so zerstört hat, ob sie wohl ein Kind verloren hat, ein Kind das sie so liebevoll gehalten und mit dem sie getanzt hat wie mit der Flasche die sie nun im Arm hält.

Wieder ergreift er wortlos ihre Hand, hält sie fest, spürend was in ihr vorgeht, wie still sie geworden ist, wie nachdenklich sie  ist, sie die  voller Leben ist und die so viel zu erzählen weiß.

Sie, die so gern plaudert und sich auszudrücken weiß… ihr fehlen hier die Worte. Sie sieht nur stumm auf diese Frau, dann zu ihm…. und wieder auf diese Frau, die sich immer noch selig lächeln zur Musik dreht ohne all die anderen zu sehen. Sie betrachtet die Frau die ganz in sich versunken vor sich hintanzt und das Herz tut ihr weh bei dem Gedanken wie diese Frau wohl einmal war und sie fragt sich was diese wohl aus der Bahn geworfen hat.

Er deutet auf all diese Menschen, diese menschlichen Wracks, eines zerstörter als das andere und sagt:“ All diese hier haben ihre Seelen verlören, so wie sie ihr Leben verloren haben. Ich war auch schon so weit unten, war fast wie sie und doch… ich habe mir die Unschuld bewahrt, mir meine kindliche Seele erhalten und ich habe es geschafft trocken zu werden und zu bleiben.

Wieder küsst er ihre Hand, greift nach ihrem Mantel und sagt:“ Komm wir gehen, gehen woanders hin wo Menschen noch nicht ihre Seele an den Alkohol verloren haben.“ Und wortlos verlassen diesen Ort, an dem Männer und Frauen wortlos vor sich hinstieren und diese einstmals hübsche Frau immer noch selbstvergessen tanzt, tanz mit der Flasche die sie liebevoll wie ein Kind in den Armen hält.

Und sie gehen ….. Hand in Hand, dankbar  dafür dass er dieser Hölle entronnen ist.

Sich liebevoll anlächeln gehen sie diese drei immer noch nassen Stufen hinauf, diese drei Stufen die hinunter in die Hölle führen.

c) Rose von der Au (08.12.07)


 

28.2.05 17:13





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